Sonntag, 1. Oktober 2006

Tour vermasselt

"Ich gehe heut abend noch in die Diskothek" rufe ich meinem Sohn noch hinterher, als er die Wohnung verläßt und dann klappt auch schon die Tür hinter ihm. Mit dem Skateboard im Rucksack schiebt er davon um sich mit seinen Freunden durch den Tag treiben zu lassen. Das Wochenende bietet genügend Platz und Raum dafür.

Als es Abend ist, steht mein Sinn gar nicht mehr so nach Disse und tanzen und so nach und nach weicht der Gedanke auf und der Wunsch danach zerplatzt wie eine Seifenblase. "Ach und naja, das Ferrnsehprogramm ist auch nicht so schlecht. Den Film bei RTL 2 wollte ich schon immer mal sehen" und damit steht mein Entschluß fest "Ich bleibe zu Haus".

Doch bevor ich ganz an der Chouch festklebe bereite ich das Abendessen für Sonimann und schwinge die Pfanne in der Küche. Als alles laut und duftend in der Pfanne brutzelt, steht er plötzlich hinter mir und fragt mich entsetzt: "Was machst du noch hier?"
"Das siehst du doch" antworte ich und kann sein Entsetzen noch gar nicht zuordnen.

"Du wolltest doch tanzen gehen"

"Ja, aber ich hab es mir anders überlegt" erwidere ich.

"Das geht jetzt nicht mehr. Geh in die Disse" klingt es nach Befehl.

"Warum soll ich jetzt gegen? Wenn überhaupt, dann erst ab 22 Uhr und jetzt ist es noch nicht einmal 20 Uhr" ich merke, ich verteidige meinen letzten Entschluß und wanke wieder damit.

"Doch, du mußt jetzt gehen" drändelt mein Sohn - noch in Hut und Mantel - und versucht mich variantenreich umzustimmen.

"Nein, ich will nicht mehr in die Disse. Ich muß dafür noch eine Stunde Straßenbahn fahren, darauf hab ich keinen Bock mehr" verteidige ich mich. "Und überhaupt, warum drängelst du mich so?"

"Meine Kumpels kommen. Sie stehen schon vor der Tür. Wir wollen Videos gucken"

Nachtigall ich hör dir trapsen, ich bin im Wege. Doch ich sehe gar nicht ein, mein gemütliches Wohnzimmer zu verlassen und verteiige es, wie eine kleine PrivateUrlaubsinsel, die grad von Räubern überfallen wird. Die gemütliche Chouch schaut mich einladend und mit zwickenden Augen an. Doch noch einmal flimmern meine Absichten wie die Spitze eines Zeigers von einer Seite zur anderen. Gehen oder nicht gehen?

Noch ganz leise und im Hintergrund meiner Willenskraft, freundet sich der Gedanke noch einmal mit der Disse an. Die Klamotten liegen ja schon bereit. Doch unnachgiebigt setzt sich der Gedanke an Flim und Chouch wieder durch und weigert sich standhaft, den letzten Entschluß zu ändern.

Mein Sohn rüttelt weiter daran. "Los, geh jetzt in die Disse" versucht er mich aus der Wohnung zu drängeln.

"Nein, ich bleibe zu Hause" ich bin fest entschlossen, meinen Posten nicht mehr zu verlassen.

Der Posten - mein Posten - sichert die Wohnung vor einem jugendlichen Chaos, denn wenn die Jungs erst einmal ungestört einfallen, dann hinterlassen sie auch eine Menge Spuren, die an nächsten Tag auf die eine oder andere Weise auf mich warten. Entweder ist treibe Sohnimann oder mich selber an, sie wieder zu beseitigen. Auf jeden Fall bleibt das Antreiben mir nicht erspart. Das riecht nach Wochenendearbeit, auf die ich auch keinen Bock habe.

"Nein, ich bleibe zu Haus" sage ich entschlossen.

Sohnimann sieht ein, drängeln bringt nichts mehr, er disponiert um und trägt die ersten Stühle in sein Zimmer, da klingeln die ersten schon an der Tür. Die Arme der Jungs sind mit eisgekühlten Pizzapaketen und was es sonst noch in Supermärkten an Eßbaren gibt, vollgestopft. Es scheint, sie haben sich nicht nur auf eine Nacht, sondern auf Tage eingerichtet. Und schon schieben sie sich eine Pizza nach der anderen erst in den Backofen und dann in ihre Mägen.

Die Truppe nistet sich jetzt im "Kinderzimmer" ein, macht es sich - statt im Wohnzimmer - auf Bett und Boden gemütlich und bald sind die Berge von Pizzen in ihren Mägen verschwunden.

Fazit für mich - meinem Sohn werde ich in Zukunft wohl kaum noch im Vorfeld sagen, dass ich mir die Nacht vielleicht in der Diskothek um die Ohren schlage ....
LaWe

Samstag, 30. September 2006

Messer in den Rücken

Wie jeden Dienstag und Donnerstag warten die kleinen Biestervor der Sporthalle auf mich und ihr Trainingsprogramm. Diesmal ist Warm- und Wettlauf geplant.

Schon beim Warmlaufen erhitzen sich die ersten Gemüter, denn die Erwärmung läuft über einen Zeitvergleich der zuvor gewählten Mannschaften. Nach wenigen Minuten laufen im Hallenlärm bei mir die ersten Beschwerden wegen der Unfairnis der anderen Kinder bei mir ein. Von der Beschwerde machen bevorzugt die Kinder Gebrauch, die mit Regeln nichts am Hut haben. Andere Kinder wieder regeln indessen nach ihrem Ermessen und bestrafen nach allen Seiten den anderen schon mal während des Spiels mit leichten Tritten. Das zieht abermals laufende Beschwerden bei mir ein und das Spiel von Sport und Klagen steigert sich, bis die wirbelnde Luft aus den Kindern raus ist.

Nach der großen Erwärmung steht der erste Wettkampf auf dem Plan. Die Mannschaften treten an und erwarten fiebrig auf das Startzeichen. Erhitzt und laufbereit springt jedes Kind wie ein kleiner Husky ungeduldig an der Leine. Der Wettkampf erhizt die Gemüter weiter und zwischen den kleinen Biestern kommt es zu Rempelein während der Wartezeit auf den Start des nächsten Läufers. Oft reichen reguliereden Blicke von mir und sie ziehen sich von allein aus dem Strudel der vibrierden Hallenluft.

Doch eine Kleine will sich nicht mehr einkriegen und reagiert auf meine Order nach sportlicher Disziplin unkontrolliert, glaubt sich im Recht. Das sie die Aufbauten für den Wettkampf mit Fußtritten aus der Bahn schießt, ist für sie in Ordnung und die Maßregelung von mir dafür höchst unfair.

256168118_c350de887eBeleidigt und kreischend verläßt sie die Sporthalle und das Training und nimmt mir damit Möglichkeit für die Aufsíchtspflicht, die ich während des Trainings für das Kind habe. Mein Bemühen, sie mit Worten aufzuhalten scheitert. Ich halte sie am Arm zuück und weise darauf hin, dass sie die Sporthalle erst zum Trainingsende verlassen darf. Das Mädchen übertönt jedes meiner Worte mit Kreischen. Mein Einfluß auf sie scheitert an ihren schrillen Tönen wie an einer Mauer. "Dann geh, ich rufe heut abend deine Eltern an" und entlasse mit die diesen Worten die Kleine aus dem Training und meiner Aufsicht.

Die Mannschaften kämpfen weiter um den besten Platz. Sie geben ihr bestes und sie geben ihr letztes. Nach der 4. Staffel haben sie die Wettkämpfe gut über die Runden und ihre Zwistigekeiten unter Kontrolle gebracht. Dampfend und schwitzend folgen sie mir in den Geräteraum und holen sich ihre Lieblingsgeräte für das freie Spiel, das sie am Ende der Trainingsstunde erwartet. Jetzt spielen sie miteinander in holder Eintracht. Vergessen, die Regelverstöße des anderen, vergessen, die heimlichen kleine Fußtritte.

Doch dann kommt die kreischende Kleine wieder zurück. Ich freue mich, sie hat sich wieder eingekriegt. "Frau H." ruft sie mir schon von weitem entgegen. "Ich habe meinen Vater mitgebracht. Ich hab ihm erzählt, dass sie mich geschlagen haben" und schon schießt ein wutentbranntes Vatergesicht auf mich zu. "Sie haben meine Tochter geschlagen. ich will mich bei der Verwaltung beschweren". Ich falle aus allen Wolken und brauche etwas, bis ich mich auf die neue unerwartete Situation einstellen kann. Die Kleine schildert noch einmal unter Tränen, wie ich sie geschlagen hab, zeigt dabei an ihren Oberarm.

Die wütenden Augen des Vaters sind auf mich gerichtet, er spricht gebrochen deutsch und ich weiß nicht, welche meiner Worte er versteht, doch er hört mir zu als ich ihm erkläre, dass seine Tochter aus meinem Verantwortungsbereich geflüchtet sei und sich den hinteren Gängen der Sporthalle versteckte. Seine Wut auf mich steht nicht mehr auf so festen Beinen, wie anfangs, das Klagelied seiner Tochter hört sich kläglicher an. "Aber Frau H. hat mich hier angefaßt" - zeigt dabei abgeschwächt auf ihren Oberarm.

Ich erkläre noch einmal dem Vater, dass ich meiner Ausichtspflicht gegenüber seiner Tochter und den anderen Traininigskindern nicht sichern kann, wenn sie die Halle uberstürzt verläßt.

Nicht mehr so ganz überzeut vom Klagelied seiner Tochter verlassen Vater und Tochter die Halle.

Mir wird klar, die Kleine hat mir das "Messer in den Rücken" gerammt, weil ich ein Telefonat bei den Eltern angekündigt hatte......
LaWe

Mittwoch, 27. September 2006

manchmal frage ich mich ...

wohin mich das Leben führen will.

da gibt es Wege, die ich gehn muß, ohne sie ausweichen zu können

und

das gibt es Wege, de kann ich nicht beschreiten, ohne mich selbst zu verraten

und

da gibt es Wege, die scheinbar für mich vorgeben sind, ohne dass ich nach ihnen gesucht hab...


LaWe

Montag, 25. September 2006

Fragen die das Leben stellt

Was im Leben macht die Jungs

und

wann im Leben werden die Jungs


zu Helden , die das Leben braucht ????????????


LaWe

Stadtbilder

Die Liebe im Hafen


Das romantische Boot


Das Lichtspieltheater


LaWe

Samstag, 23. September 2006

Der Mann, der mit der Maus spielt..

Obwohl ich ahne, was und wie es laufen wird, ich mache mich trotzdem auf den Weg. Menschen können sich ändern, vielleicht haben sie in den letzten Monaten ja geistigen Zuwachs bekommen.

Unsere letzte Begegnung hatten wir Anfang des Jahres in seinem Arbeitsraum. Das Dach über den Kopf dafür gibt ihm die Behörde, in dessen Namen er spricht. Das gibt ihn die Möglichkeit, etwas durch das enge Nadelöhr der staatlichen Vorschriften zu führen, oder auch nicht.

Es kann ja auch sein, dass der Mann blind ist und das enge Nadelöhr ohne Brille nicht mehr so richtig sehen kann. Es kann aber auch sein, dass mein zuständiger Mann im Amt das enge Nadelöhr lieber an den Wünschen der Bürger vorbeiführt. Das gibt ihm die Macht den schwachen Bürger, der sich mehr geduckt als aufrecht auf den Besucherstuhl setzt, kleiner zu machen, als er selbst ist.

Mein letzter Besuch bei ihm im Januar lies zerbrechen, was eine engagierte Kollegin vor ihm mühevoll aufbaute. "Was?" fragte er mich "Was stellen sie sich denn vor" und dabei klickerte er sich durch das Menü seines Arbeitsprogramms. Breitschultrig und aufgebläht saß er auf seinen Sessel und lies das kleine Nadelöhr verglühen, dass es sich für mich damit für immer schloß.

Ich verlies das Zimmer mit einer karikativen Nachwirkung. "Was hat der Mann eben überhaupt gemacht?" lief es wie ein Laufband durch meine grauen Zellen, bis sie fast heiß waren. Sie wollten um jeden Preis ldie Aufgabe ösen, die mein nachwirkender Eindruck ihnen stellte. Als Ergebnis der langen Rechenaufgabe spuckten sie mir folgendes Ergebnis aus "Der Mann im Amt spielt nur mit der Maus".

So wie der "Spatz von Paris" ging er für immer mit dem Slogan "Der Mann, der mit der Maus spielt" als dauerhafte gebrannte Laufspur in meinen geistigen Speicher ein.

Am Mittwoch also hatten der Mann mit der Maus und ich wieder eine Begegnung. Termingercht sitze ich vor seiner Tür, die sich zum vereinbarten Termin jedoch nicht für mich öffnet. Ich denke, dann klopfe ich mal schon vor. Er soll ja wissen, dass ich pünklich bin. Ich höre keine Antwort und prüfe, ob sein Zimmer schon geöffnet. Es ist auf und ich stehe fast schon im Zimmer. "Moment bitte" ich werde aufgefordert, doch vor der Tür zu warten.

Die Aufforderung kommt von meinem Mann, der grad wieder mit seinem Lieblingsspiel beschäftigt ist. Seine rechte Hand liegt auf der Maus und er klickert sich durch das Menü. Ich verberge mein innerliches Grinsen - es ist doch kein geistiger Zuwachs zu erwarten.

Wenig später darf ich seinen Raum betreten, die rechte Hand liegt noch immer auf der Maus. Ich trage mein Anliegen vor. Er sucht die Antwort darauf im Menü und klickert alle Optionen durch. "Ob er wohl fündig wird" flimmert mir meine Hoffnung entgegen. Mein Realitätssinn antwortet: "Mach dir nicht vor. Das macht er nur, damit du siehst, dass er Aktivität zeigt" .

Nach einer Minute klickern bringt er kein Fundstück zu Tage und läßt den Rest im Dunkeln. "Was denken sie sich?" fragt er mich und gibt mir das Gefühl, als hätte ich ein absonderliches Anliegen. "Und überhaupt..." er schwingt sich in seiner Zerredungskunst sprunghaft nach oben.

Ich merke, ich schrumpfe. Der Stuhl auf dem ich sitze, wird mir groß unter meinem Hintern. Teile meines Körper haben schon die Flucht ergriffen, wartet schon auf dem Flur. Doch mein Geist bleibt im Raum und macht, während mein Mann seine Kür im Zerreden weiter mit Bravour absolviert, Serienbilder von dem Mann.

8810-1aIch kann nichts dagegen tun, doch ein Mann schrumpft vor meinen Augen zu einer Karikatur, die in einem selbsternannten Chefsessel sitzt, der Zeit seines Lebens an seinem Hintern angewachsen ist. Er klebt an ihm fest - so daß er nicht einmal mit seiner Frau, sondern nur mit seinem Sessel schläft. Er hat ihn sich schwer erarbeite. Für ihn mußte er die vielen dunklen Gänge der Auscheidungeorgane gegen die Abführrichtung kriechen.

Der Sessel ist nun zum Instrument seiner Macht geworden und nur der Tod kann ihn vom seinem Sesel scheiden. Ein Sterben, der nicht den körperlichen Tod einleitet, sondern das Ende der Bürokratie.

Mein Realitätssinn sagt: "Darauf kannst du noch lange warten . Die Bürokratie überlebt sogar die tausendjährige Eiche"
LaWe

Freitag, 22. September 2006

Ein Licht ist aufgegangen

Oh nein -nein - noch kein Weihnachten in Sicht und eine Erleuchtung im göttlichem Sinne hatte ich noch nicht und ich weiß nicht einmal, ob ich eine Erleuchtung will. Man sagt, der Erleuchtete sieht die Welt so wie sie ist, ohne die Verschleierung der eigenen Schönfärberei.

Und doch ist ein tieferer Durchblick vorteilhaft, wenn sich daraus ein eigenes klügeres Verhalten ableiten läßt.

Die kleinen Biester, sie beschäftigen mich ja zwei mal die Woche. Gnadenlos mit mir kommen sie zum Trainig und nach wenigen Minuten Lauf kommen ihre Gemüter in Wallungen und die esten Rangeleien sind nicht weit.

Einige haben einen ersten Hintergrund und andere wieder sind nur kleine Neckereien. Die kleinen kreischenden Mädels sind dafür eine gute Zielscheibe. Und so probieren die Kleinen mal hier und da einen "Hebel" bei einem kreischfreudigen Mädel aus und freuen sich auf die lautstarke Reaktion. Ich gehe dem Mädel nur den Hinweis: "Wenn du nicht mehr kreischt, dann lassen die Jungs dich in Ruh". Eine Kreischspezialistin haben wir in unserer Gruppe, doch sie hat schon gelernt und hält sich mit ihren schrillen Aufschrei zurück.

Doch die anderen merken noch nicht, dass sie ihr Verhalten geändert hat und glauben, sie hört schlecht und werden lauter. Doch das Mädel reagiert auch nicht darauf und so sinnen die Jungs nach einer neuen Methode, sich bei ihr Gehör zu verschaffen und drücken dabei noch mächtiger auf die Tube.

Gerstern - das Training ist beendet. Die Kleinen folgen mir mit den Sportgeräten. Sie müssen im Geräteraum verstaut werden. Der schmale Gang drängt die Kinder eng zusammen und damit drängen sich auch ihre erhizten Gemüter auf engstem Raum.

Ein Kleiner sitzt auf einem Rollbrett - das auch in den Geräteraum gehört - an der Spitze der Warteschlage. Er war schon vor den anderen da und deshalb unbeteilig am Zusammenschluß zum Chor, der sich spontan zusammen gefunden hat, um das kreischfreudige Mädel zu ärgern. Was ein einzelner Junge nicht mehr schaffte, soll jetzt im Chor erreicht werden. "Ella -Popella" brüllt es nun im Chor, dem sich jetzt mehr und mehr Kinder anschließen.

Im engen Gang hallt der Chor, der auch von mir nur noch schwer zu übertönen ist. Doch das Mädel - ich habe sie unauffällig im Auge - bleibt hart, zeigt keine Reaktion. Der Chor wächst an der Stimmenzahl und wird mit jeden Takt lauter "Ella-Popella".

Doch die brüllenden Jungs ernten keinen Erfolg, Ella lächelt und hält ihren begehrten Kreischton zurück. Dann plötzlich springt der Kleine von seinem Rollbrett auf und gibt Ella erst einmal einen kräftigen Tritt an ihr Schienenbein. Jetzt - endlich kommt der Aufschrei, auf den alle so lange gewartet haben. Der kleine nhat vollbracht, was der Chor nicht geschafft hat.

Wie ein Kreisel wende ich mich Kleinen zu, halte ihm am seinen kleinen nackten Oberarm nieder, er kann zum zweiten Tritt nicht mehr ausholen. Jetzt brüllt mir eine Wut wie ein Grunzen entgegen und wehrt sich mit Gegendruck.

Wir kämpfen mit der Kraft seiner Wut "Warum hast du Ella getreten?" frage ich brüllend und erhalte als Antwort wieder ein Grunzen mit einem roten Gesicht, das von seiner - für mich unerklärbaren - plötzlichen Wut ausgeht.

Sein Oberarm ist dünn und zart und vom Gekröse seiner Neurodermities übersät. Ich lasse an Druck nach und der Kleine windet sich wie ein glatter Aal aus meinem Griff und verläßt unter Tränen die Szene und läßt mich mit einem Fragezeichen im Kopf zurück.

"Was war das? Warum hat der Kleine sich hart eingemischt, er war doch gar nicht am Chorgesang beteiligt"

Die Kinder versammeln sich umgezogen am Ausgang und warten auf ihre kleine Belohnung. Ich stehe am Ausgang mit einer Tüte Bonbon bereit und jedes Kind gräbt in der Tüte nach dem Leckersten.

Der Kleine kommt, ich biete ihm auch einen Bonbon an. Er lehnt ab und geht mit versteckten Tränen aus der Sporthalle. Er sieht innerlich verletzt aus.

Als es in der Halle ruhig wird, wirkt kleine Vorfall in meinem Kopf nach. In meiner Hand spüre ich noch das Kripeln vom Gekröse seiner Neurodermitis, da fällt es mir wie Schuppen von den Augen.

Der Kleine hat so eine "dünne Haut" das er sich vor keiner "Energie" schützen kann, die auf ihn einwirkt. Alles, was sich in seinem Umfeld abspielt, er kann sich davon nicht distanzieren, nimmt sie wie ein trockner Schwamm das Wasser auf in sich auf und wenn der Schwamm voll ist, spritzt es aus ihm unkontrolliert heraus.

Er kann nicht anders, er unterwirft sein Handeln dem Willen seines Umfeldes. Erklären kann er sein Handeln sich selber nicht und weiß auch deshalb auf die Frage "Warum" keine Antwort.

Was ihm bleibt ist die Flucht aus der Situation, die für ihn nur noch beklemmend wird.

LaWe

Donnerstag, 21. September 2006

Gedankenwandel

sonne-009

Sie sind Freunde oder Kumpels. Tagsüber nach der Schule und an den Wochenenden mit dem Skateboard unterwegs. Beide Einzelkind und ohne Väter. Sie zeigen sich sich cool, doch sind beide auf ihre Mütter wie kleine 10-jährige Jungs angewiesen. Und die Mütter? Arbeiten und arbeiten und arbeiten, damit Geld ins Haus kommt und das reiche Leben weiter gehen kann.

Gestern abend kommt mein Sohn nach Haus. Stellt mir eine Frage so nebenbei "Kann B. bei us 4 Monate wohnen?" Oh mein Gott, ist zu Hause was passiert, denke ich und wehre mich innerlich mit Händen und Füßen. Noch ein Rüpel zu Haus, der durch die Wohnung schleicht und das "Kinderzimmer" in ein Chaos verwandelt? Noch ein zentnerschwerer Junge, der morgens nicht aus den Federn will und Kraft meiner Stimme aus dem Bett geworfen werden will? Und ich sehe nicht nur die zusätzliche Arbeit, die sich über meinen Kopf auftürmt, ich sehe auch meine abendliche Ruhe, die den Bach runter geht und verneine nach dem kleinen Check der Negativliste sofort die leise Anfrage meines Sohnes innerlich wie äußerlich.

Heut früh hat sich die Frage doch noch nicht so beantwortet und über Nacht gearbeitet. Ich frage nach "Warum ist B. vier Monate ohne Mutter" "Sie muß in Hamburg arbeiten und kann nur an den Wochenenden nach Haus". Ich kann verstehen, Mutter will den Sohn nicht allein lassen und Sohn will nicht allein sein und fragt seinen Kumpel.

Naja - heut früh bin ich nicht mehr so strikt dagegen und sehe die vier Monate Unterkunft bei mir mit anderen Augen. Der Morgen ist doch klüger als der Abend. Beide sind sie Einzelkinder und haben für 4 Monate ein Geschwisterleben. Das ist doch was für beide, oder ? Sie lernen sich auf engen Raum zu arrangieren, das ist doch auch was, oder?

Der Kumpel hat meinen Sohn nach einer Unterkunft gefragt, also vertraut er mir auch.

Ich denke, ich sollte sie nicht enttäuschen und ihnen zeigen, dass mein freundliches Gesicht weiter reicht, als nur für eine nette Begrüßung.

Und so weicht alles verhärtetet auf, was gestern abend dagegen sprach und lasse die beiden Jungs im Zimmer meines Sohnes für 4 Monate hausen .


LaWe

In den Wind geschrieben

hat Tränen aus dem Haus getrieben

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Achja...
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abendGLUECK - 5. Mai, 09:48
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abendGLUECK - 4. Mai, 08:13
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abendGLUECK - 25. Apr, 11:03

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