Mittwoch, 19. September 2007

Altes verliert sich..

Von Stillleben

Das durch und durch Glasgebäude - Deutsche MED genannt - steht aus diesem Blickwinkel immer im starken Kontrast zu einen alten Gebäude der Straße, das wegen Baufälligkeit schon verrammelt ist.

Doch jedes mal, wenn ich an diesen Punkt der Straße komme, bleibt mein Auge an diesem Kontrast hängen.

Die Deutsche MED ist wegen seiner Optik sehr umstritten, weil sie den historischen Stadtkern - zumindest in dem Stadtteil - schon wegen seiner Größe beherrscht. Und so klein und mickrick wirken alle Gebäude in der Nähe der deutschen MED.

Zwischen den Gängen des Glashauses ist es kalt und zugig.



Dieses Bild entstand in einem dieser Gänge.

Die alten Gebäude, des Straßenzuges, der seinen historischen Charakter nun verloren hat, wirken wie nieder gedrückte Hütten. Der Straßenzug sieht jetzt jetzt angesichts des gläsernen Gebäudes eher verloren aus.
LaWe

Sonntag, 16. September 2007

Alterserscheinungen entwickeln sich .....nicht von selbst

Mit meinem Buch "Lebenskrisen als Entwicklungschancen" von Rüdiger Dahlke bin ich fast am Ende. Er beginnt bei der Geburt des Menschen und endet, wie kann es anders sein, über das Alter beim Tod des Menschen. Zwei unangenehme Themen, denen ich mich ungern widmen wollte. Also überlegte ich schon, ob ich das Buch vorzeitig zuschlage und für mich als beendet erkläre. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Doch entschloß ich mich, mich auch den unangenehmen Themen auseinander zu setzen. Und ? Es hat sich gelohnt, sich mit der Betrachtungsweise von Rüdiger Dahlke mit dem Alter - dem oder der Alten - auseinander zu setzen. Ich traf beim lesen seiner Beschreibung alte Bekannte, so, als hätte er gewußt, wer in meinem Umfeld lebte.

Rüdiger Dahlke lehnt sich dabei nicht an Vorbilder aus dem Leben, um über sie vielleicht her zu ziehen. Nein, er zählt den Archetypus Mensch auf und seine Betrachtungsweis ist ähnlich den Temperamenten zu verstehen. So gibt es nicht nur den reinen Choleliker, sondern dieses Temperament das herausragende seiner Persönlichkeit. In ihm steckt auch der Melankoliker oder Phlegmatiker.

Gestern arbeitet ich mich lesetechnisch durch das Alter. Es war spannend zu lesen, in welch ein Kautz Mensch sich im Alter verwandeln kann, wenn er sich zu sehr von seinem Selbst entfernt.

Die bekannten Archetypen Mensch sind

der alte Weise bzw. die alte Weise
Das sind zufriedene Menschen, die ihren Erfahrungschatz in Lebensweisheit umwandeln konnten. Sie haben in Laufe ihres Lebens alle Entwicklungsschritte nehmen können und stehen mit sich selbst auf einer Stufe.

Zu den alten Weise gehörte z.B der alte Narr, der in der Vergangenheit feingesponnen den König und seinem Hofstaat den Spiegel der Wahrheit vor das Gesicht halten durfte. Er hatte diese Narrenfreiheit, weil er in die Tiefe des Lebens schauen konnte.
Bemerkung von Dahlke: So ein Hofnarr würde heut dem Bundestag und den obersten Etage der Vorstände auch gut zu Gesicht stehen.

Doch wenn der Mensch nicht alle Entwicklungsschritte bewältigen konnte, dann spiegelt sich das auch in den Alten wieder.

Da gibt es z.B den Machtgeier
das Wort sagt es schon. Der Alte bzw. die Alte ist nicht in der Lage, die Macht aus der Hand zu geben.Obwohl den Zenit schon lange überschritten, bleiben sie verbissen an den Hebeln der Macht hängen.

Der schrullige,kautzige Alte ist der Entwicklung zum vollkommenen Narr stecken geblieben. Er hat sich eingesponnen und den Weg veroren.

Der alte Querulantund Nörgler eine wenige symphatische Figur des alten Narren, der alles weiß und zumeist nichts besser kann. Er ist chronisch unzufrieden. Er macht sich zum Narren in bitterstem Sinne.

Der Gleichmütige er nimmt die Dinge wie sie kommen - gerecht oder ungerecht - das ist für ihn nicht von Bedeutung.

Die gute Großmutter das sagt schon das Wort. Sie hat wieder zu ihrem Kind zurück gefunden.

Die dunkle Schwester der guten Grußmutter ist die alte Jungfer, das späte Mädchen, das immer noch auf ihren Prinzen wartet. Ein in die Jahre gekommenes Dornröschen, das resigniert hat.

Der gute Hirte das sagt schon das Wort. Er hat den religiösen Eiferer hinter sich gelassen und ist zum Weisheitslehrer geworden.

Der graue Alte geht gern als grauer Wolf durch das Leben geht, der von seiner Verbitterung zehrt.

Der alte Hagestolz ist unbeugsam. Er ist unversöhnlich und hart gegen sich selbst.

Dann ist da noch der alte Fuchs. Sein Persönlichkeitsbild wurde in der Krimiserie "Der Alte" , in dem er den Verbrechern das Fürchten lehrt, gezeigt.

Die alte Hexe oder bittere alte Jungfer. Sie sieht sich als Opfer der bösen Welt und wurde nun ihrer seits böse. Von eigener Bitterkeit vergiftet,verspritzt sie Gift.

Der alte Geizige ähnelt dem alten Machtgeier. Er will nicht wahr haben, dass er eines Tages all seinen Besitz auf Erden zurück lassen muß.

Der früher- war - alles - besser - Typ ist offensichtlich in alten Zeiten hängen geblieben und jammern vergangenen Zeiten und Chancen nach.

Das alte Waschweib wäscht die schmutzige Wächse anderer Menschen in aller Öffentlichkeit. Sie ist auch als alte Klatschbase bekannt. Über andere herziehen, als sich selbst zu entwickeln, dass ist ihr Muster.

Der alte Globetrotter kennt die Welt besser als sich selbst. Er weigert sich, alt zu werden, und hat das Ausziehen um das Fürchten zu lernen, zum Trip gemacht.

Der alte Clochard ist zum Strandgut des Lebens geworden und flüchtet vor dieser Erkenntnis in den Alkohol.

Der geile alte Bock ist das klägliche Überbleibsel des ewigen alten Jünglings, der keinen eleganten Ausweg oder Abgang aus dem Leben gefunden hat, aber auch nicht von seinem Muster lassen wollte.

Die fertig geliftete Dame ist das weibliche, ebensfalls mit dem Leben nicht fertig gewordene Pentand des geilen geilen Bocks.

Ohja - das war eine interrassente Auflistung der möglichen Erscheinungsbilder meiner Selbst im Alter.

Hier und da erkannte ich Tentenzen und Neigungen in mir selbst, die mich, würde ich sie hartnäckig verfolgen, genau auf einer dieser möglichen Punkte bringehn würde.

Wir Erwachse sagen den Kindern und Jugendlichen, wenn sie sich nicht an die Norm halten "Kind, was soll aus dir werden?"

Doch wenn ich mir die lange Liste der Erscheinungsbilder des Alters ansehe, sehe ich mich noch an der vielfachen Kreuzung stehen und mir die Frage stellen "Frau, was soll aus dir werden, wenn du eine Alte bist?"

Dann antworte ich mir erst einmal selbst

"Auf keinen Fall eine alte Hexe oder Jungfer. Nein, das auf keinen Fall."

Also entscheide ich mich für eine alte Weise. Das hört sich doch schon viel melodischer an.

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg, oder doch nicht???
LaWe

Samstag, 15. September 2007

Umtriebe

Sie haben sich lange nicht mehr gesehen. Verglichen mit den täglichen Treffen nach der Schule oder an den Wochenenden. Doch dann kam der Umzug und einer von ihnen zog in den Süden, während der andere hier oben im Norden blieb. Trennen mußten sich die beiden Freunde - mein Sohn und sein Kumpel - erst vor 3 Wochen.

Das ist auch für männlichen Freundschaften eine lange Zeit. Obwohl sich niemand wegen der Trennung beklagte, war die Sehnsucht nach alten Zeiten unterschwellig doch vorhanden.

Am Freitag trafern sie sich wieder leibfhaftig. Er - der jetzt Südstaatler - fand eine Mitfahrgelegenheit in den Norden. Gestern stand er glücklich in unserer Tür und mitten in seinem alten Freudeskreis.

"Guck mal, wer das ist" brachte mein Sohn seinen vertrauten Freund in die Wohnung. Seine großen brauen Augen sahen mich wortlos an. Ich kann nachfühlen, wie es ihm geht, denn ich hatte der rigurosen Schnitt von den alten Freundschaften auch schon mal zu spüren bekommen, als ich meine Heimat verlies. Damals fühlte ich mich unter tausenden von Menschen einsamer wie ein verlassener Hund.

Gestern abend zogen alle Kumpels in gewohnter Weise um die Häuser, auf der Suche nach alten Gewohnheiten, Freuden und Freunden. Von ihrem nächtlichen Ausflug sind sie noch nicht zurück gekehrt, wer weiß, wo sie hängen geblieben sind.

Seit 10 Uhr suchen sich die alten Freunde gegenseitig. In 20 Minutentakt klingelt bei mir das Telefon oder es klingelt an der Tür
"Ist Jo da?" fragen sie nach meinem Sohn.
"Nein, er ist gestern mit seinem alten Freund zu einem anderen Freund ausgeflogen" antworte ich brav.

Dieses Frage und Antwortspiel läuft nun schon seit ein paar Stunden und mir fallen bald keine freundlichen Worte mehr ein..mit anderen Worten, ich knurre schon mal in die Sprechmuschel, wenn die Frage kommt "Ist Jo da?"
SmileyCentral.com
LaWe

Donnerstag, 13. September 2007

neuer Glanz in der Stadt

Seit heut hat Rostock eine neue Glanzhütte mehr. In nur einem Jahr erbaut, denn erst am 29.6.2006 wurde der Grundstein zum KTC - Kröpeliner Tor Center - gelegt.
Nach knapp 15 Monaten wurde der Monsterbau dem Stadtleben übergeben und mit Lockpreisen zogen die Werbeläufer die Kunden an.



Ich lies mich locken und folgte den Werbeläufern und das neue Kaufhaus der Stadt.



Die schöne Glaskuppel zog als erstes meinen Blick auf sich. Sie wirkte wie ein blauer Himmel, der sich über die Kaufsüchtgen erstreckt.



In drei Etagen spielt sich das Händler- und Kundenleben ab.



Und über Rolltreppen bewegt der Kunde sich kreuz und quer durch das Gebäude. Wer sich mehr als 3 x um seine eigene Achse dreht, findet erst einmal der Ausgang nicht mehr.

Aber ich fand den Weg aus der Glanzhütte und konnte mit einem Yoga-Set für 4 € doch noch ein Einkaufsschnäppchen machen.SmileyCentral.com

Dienstag, 11. September 2007

Schlafmütze

Also ich bin weder eine Schlafmütze, noch ein Langschläfer - ob wohl, so ab und zu über die Zeit liegen hat auch was - und ich bin auch kein Frühaufsteher und schon gar nicht ein Ganzfrühausteher.

Aber jetzt muß ich jeden Morgen um 5.30 Uhr aus den Federn. Das hält doch kein Mensch aus und ich schon gar nicht.

Den Tag verbringe ich als Traumwandler - ich der Straßenbahn mache ich ein Nickerchen und im Bus kann ich meinen Kopf auch nicht oben behalten, geschweige lesen.

Heut hab ich sogar die Wochentage verwechselt - bei mir war schon Donnerstag :-(. Doch leider ist heut Dienstag und 3 Tage muß ich noch.

Ich hoffe, mein Körper hat sich bald an die neue Zeit angepaßt.

Aber zwei schöne Bilder hab ich trotz meiner Übermüdung doch noch schießen können.



Spiegelungen



Spannungsgeladen


Aber jetzt muß ich erst mal zu Bett, sonst finde ich den Weg aus dem Bett morgen früh nicht mehr raus....
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LaWe

Samstag, 8. September 2007

Kleiner Mann zum Schnäppchenpreis ?

Wenn Gäste mein Bad betreten können sie sich kaum im Spiegel sehen. Das kommt nicht daher, weil der Spiegel so beschlagen oder ungeputzt ist, sondern weil er auf meine Körpergröße ausgerichtet wurde. Alle Spiegel in der Wohnung wurden auf meine 1,54 m Körpergröße ausgerichtet, damit ich mich besser sehen kann.

Dass ich in den Schulsportreihen immer an letzter Stelle stand - wir mußten uns immer von links nach rechts der Größe nach aufstellen - störte mich weiter nicht.

Aber ich bin eine Frau und nehme meine geringe Körpergröße nicht so tragisch, wie es vielleicht die Jungs bzw. Männer tun. Das wurde mir erst klar, als vor Jahren ein kleinwüchsiger Bekannter so nebenbei erzählte, er hätte sich mit seiner Körpergröße (1.65) abgefunden. Da erst erkannte ich, dass die Kleinwüchsigkeit für den Mann ein Lebensthema sein kann, mit dem er sich nur schwer aussöhnen können. Und wenn er unter einem ungelösten Problem innerlich schwer zu tragen hat, macht er für das Umfeld mitunter schwer nachvollziehbare Sachen, die andere dann als "Kleiner-Mann-Syndrom" bezeichnen.


"Ich habe Zeit und ich nehme mir Zeit und schnüffel im Discounter alle Regale nach Schnäppchen ab. Ich kenne das Sortiment und die alten Preise und wenn sie etwas auf die schnelle los werden wollen, dann senken sie drastisch die Preise. So beim schnöckern bemerke ich, dass mich jemand nicht nur ansieht, sondern auch anstrahlt und ich schaue, woher der strahlende Blick kommt.

Und richtig, er kommt direkt auf mich zu und geht mit einem freundlichen "Guten Tag" an mir vorbei. Er schaut mir dabei in die Augen, als würden wir uns aus alten Zeiten kennen. Obwohl wir auf Augenhöhe sind, hab ich das Gefühl, er schaut von unten zu mir hoch. Seine Augen sind wässrig blau. Sie könnten geweint haben. Aber ein Mann weit ja nicht und wenn, dann nur heimlich.

Ich grüße freundlich zurück "Guten Tag" gehe vorbei und versinke wieder in meine Schnäppchensuche, nicht ohne zu überlegen "Wer war denn das?". Dabei gehe ich das Register meiner Bekannten durch, die aus alten Zeiten und die aus neuen Zeiten. Aber er ist nicht dabei. Vielleicht hat er mich irgendwo gesehen oder erlebt, ohne dass er mir aufgefallen ist und beende damit mein Nachsinnen.

Mit meinem Einkauf ohne Schnäppchen stelle ich mich in die Kassenreihe. Da kommen die strahlenden wässrigblauen Augen zielsicher auf mich zu. Er will mit mir sprechen, deutlicher können die Zeichen nicht sein: "Entschuldigen sie, sind sie Karin ?" fragt er mich fast flüstern. Dabei neigt er sich näher zu mir rüber, seine Augen sind jetzt direkt vor meine Augen. Doch ich muß ihn enttäuschend. "Nein, ich bin nicht Karin". Seine Augen sehen enttäuscht aus und deshalb erzähle ich ihm, dass ich mir schon den Kopf zerbrochen hatte, woher ich ihn vielleicht kenne und dass ich aber zu dem Schluß kam, das ich einer Frau, die Karin heißt, wohl ähnlich sehe. Unsere Blicke verabschieden sich, es gibt nichts mehr zu sagen.

Nach dem kurzen Wortwechsel verläßt er ohne Einkauf den Discounter und ich warte noch darauf, dass ich von der Kassiererin abgebongt und abkassiert werde. Nach der Bezahlung hab ich den kleinen Mann schon vergessen, im Kopf bin ich schon in meiner Wohnung.

Nur noch den Einkaufwagen zurück stellen und nach Haus ist mein Streben. Doch am Ausgang sehen mich wieder die blau wässrigen Augen an. Er kann seine Unsicherheit jetzt nicht mehr verbergen, doch scheint er entschlossen, noch einmal mit mir ein Gespräch anzufangen. "Also wirklich, sie sehen aus, wie Karin" nimmt er das im Markt zurückgelassenen Gespräch wieder auf. "Ja, es soll ja Doppelgänger geben"antworte ich auf seine erneute Feststellung und nehme nebenbei meinen Chip aus dem Einkaufskorb. Der Einkauf ist in meinem Rucksack und mein Ziel die meine Wohnung.

Doch seine Augen entlassen mich noch nicht aus dem kurzen Gespräch. Er will noch etwas sagen und ringt nach den richtigen Worten. Obwohl auf Augenhöhe schaut er mich immer noch von unten nach oben an. Ich gebe ihm die Zeit für den nächsten Satz und sehe ihn erwartungsvoll an.

"Kann ich sie zu einem Kaffee einladen?" endlich ist es raus und er sieht mich voll Hoffnung an. Doch die fällt wie eine Seifenblase zusammen als ich ohne Umschweife antworte "Nein". Mit einem letzten Blick verabschiede ich mich und gehe mit meinem Einkauf heimwärts. Den Rückblick erspare ich mir.

Obwohl?

Ich hätte gern den Berater des kleinen Mannes gesehen, der ihm nach dieser Niederlage sicher neue Ratschläge für den nächsten Anlauf - einfach eine Frau an zusprechen- gibt.
LaWe

Donnerstag, 6. September 2007

Grenzenlose Kinder leben in Aggression - 2

Bevor ein Training erst kräftig durchstarten kann, müssen die Muskeln erst richtig warm gemacht werden. Da sind Laufspiele ein gutes Mittel, den Körperkern zu erwärmen. Dabei laufen diee Kinder mal miteinander oder nebeneinander oder auch gegeneinander. Einer spornt den anderen an und dann dauert es nicht lange, bis die Köpfe rot aussehen und der Körperkern sich erwärmt hat.

In den Minipausen sitzen die Kinder schwitzend auf den Bänken, die am Rand der Sporthalle aufgestellt sind.

Doch nicht nur der Körperkern hat sich erhitzt, sondern auch ihr Gemüt, das sein Potential in der Hitze so nach und nach freisetzt und in aggresssiven Verhalten mündet. Hat eins der Kinder erst ein Imppuls gesetzt, dann setzt sich dieser Impus wie das bekannte Kugelspiel aus der Physik fort. Einer stößt den anderen an und wenn der Trainer nicht schnell genug ein neues Laufspiel anbietet, entwickelt sich die Trainingsstunde zu einer einzigen Schupserei.

"Mein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Nach bevor die Trainingsstunde begann, hoffte ich, er wäre heut nicht dabei. Doch er reihte sich mit den anderen ein. Ich muß also meine Konzentration auf die Gruppe lenken und ihn dabei ja trotzdem im Auge behalten.

Er - das íst ein Kind, das keine Grenzen kennt. Er ist erst mal nur da, ohne zu wissen, warum. Während seine Handlungen grenzenlos sind, hält sich seine Ansprechbarkeit in Grenzen. Wahrscheinlich hat er Ermahnungen schon lange satt und läßt den Dauerbrenner unbeachtet in eine Endlosschleife laufen.

Die Anweisungen der Trainer schlägt er in den Wind und dreht sich ohne Rücksicht um seine eigene Achse. Die Antenne hat er schon lange eingezogen. Er lebt in einen Raum endloser Weite, angefüllt mit Aggression.

Bei jedem Kontakt zu den anderen Kindern in der Halle löst er einen kleinen Wutanfall aus. Die anderen fühlen sich ungehaglich und bedrängt.

Auch an diesem Nachmittag nehmen die Beschwerden über ihn kein Ende und auch die Gegenwehr der anderen bleibt nicht aus. Aber wenn alle Kinder wieder laufen, dann halten sich auch seine Provokationen in Grenzen. Ich kann mich entspannt dem Ablauf widmen und auf die Einhaltung der Regel achten. Wird ein Kind gefangen, dann scheidet es aus und setzt sich auf die Bank. Es hat seine Laufgrenze erreicht und erholt sich erst einmal. Für die anderen ist das Spiel aber noch am Laufen.

Zwei oder drei der Kinder sind schon ausgeschieden und sitzen auf der Bank. Auch er ist dabei, denn Ausdauer ist nicht seine Stärke. Ich kontrolliere im Wechsel die Laufgruppe und die Kinder auf der Bank, schaue mal grade aus, mal nach links. Alles ist ok, die Ausgeschiedenen sitzen am Ende einer Bank und die Anderen laufen sich noch die Lunge aus dem Leib.

Da bemerke ich Unruhe von der Bankreihe aufkommen. Aber es ist nichts auffälliges zu sehen, die Kinder sitzen auf dem Platz. Doch besser ist besser, ich gehe zu ihnen, während die anderen noch um die besten Plätze laufen.

Ich bin an der Bankreihe angekommen. Es gibt nichts auffälliges, was ich hätte bemängeln können und doch weiß ich nicht, warum ich zu ihnen gehe. Die anderen laufen weiter und halten sich an die abgesprochene Regel.

Ohne Vorwarung kommt Er mit einem lauten Geschrei auf mich zu. Mit der linken Hand am Hinterkopf brüllt er sich die Seele aus dem Leib. Ich kann nicht erkennen, was passiert sein könnte und er kann vor lauter schreien mir nicht anworten.

"Ich blute" und nun schreit er noch ein paar Oktaven lauter. Ich glaube fast, das mein Herz zerspringt, doch es hält. "Ich will zu meine Mutti - ich will zu meinem Papa" schreit er verzweifelt und hält weiter die linke Hand an den Hinterkopf und das Blut rinnt an seinem Hals und Armen herunter.

Der Schreck greift weiter um sich. "Ich will zu Mutti - ich will zu Papa" er setzt sich schreidend auf die Bank vor mir. Da rinnt das Blut weiter auf den Boden vor ihm und blidet eine Lache, so groß wie ein kleiner Minisee. Sein Angstkreischen steigert sich "Ich will zu Mutti - ich will - ich will..." und seine Hände zittern, als würde gleich sein Lebenslicht ausgelöscht.

Mein Herz schlägt bis zum Hals. Ich suche nach Verbänden, doch die Hallenwartsfrau hatte sich ja verabschiedet. Ich bin allein in der Halle - mit 12 Kindern und einem Verletzten. Die anderen stehen mit großen Augen zitternd da und wissen nicht, was sie tun sollen, wollen oder können. Auch von ihnen weiß niemand, was passiert ist.

Ich habe kein Verbandszeug und ziehe mein T-Shirt aus, um seine Blut damit aufzufangen. Er schreit sich immer noch die Seele aus dem Leib. Ich stehe im BH vor den Kindern und warte für einen Moment auf eine Antwort auf meine Frage "Was ist geschehen ?". Doch niemand weiß, was mit ihm geschehen ist.

Mit zitternden Händen suche ich nach meinem Handy. Ich wußte nicht, wie eng meine Handtasche war. Bevor ich an mein Handy komme, muß ich die ganze Tasche leeren. 110 und der Ruf geht raus. Ich warte bis sich jemand meldet. Er schreit noch immer, aber nicht mehr nach seiner Mutti. Endlich meldet sich jemand und verbindet mich mit dem Rettungsarzt. Mit bis zum Hals schlagenden Herzen schildere ich mit wenigen Worte, was vorgefallen ist. "Wir sind gleich da" ich beende das Gespräch erleichtert.

Auch er beruhigt sich jetzt schon etwas und wird für mich ansprechbar.

"Was ist passiert?" frage ich noch einmal nach, denn ich kann mir immer noch keinen Reim drauf machen, wie er sich so eine blutenden Wunde geschlagen hat.

"Er hat mich geschupst und dann bin ich von der Bank gefallen" sagt er und meint damit seinen Banknachbaren. Ich drehe mich um und sehe den anderen Jungen in Tränen aufgelöst. Er zittert am ganzen Leib. Seine Schuldgefühle haben ihn überwältigt. "Du kannst nichts dafür" beruhige ich ihn und denke dabei an die Provokationen des Jungen. Das sich die anderen dagegen wehren, kann ich verstehen.

Ich gehe zum Ende er Bank und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wo Er sich so sehr verletzt hat, das das Blut in Strömen aus deinem Kopf fließt.

Nachdem ich sagte, dass der Arzt unterwegs ist, beruhigte er sich schon etwas und sah sich mit abgesenkten Kopf die Blutlache vor der Bank an. Er fand, das da schon Blutklumpen dabei wären. Zum Glück, er war von seinen Aufschrei wieder zurück und nahm seine Umwelt wahr.

Noch einmal frage ich ihn, was passiert wäre und endlich bekomme ich eine komplette Antwort. Der Banknachbar hat ihn geschupst und als er von der Bank fiel, fiel sein Kopf gegen die scharfe Mauerkante einer ungenutzen Tür. Die Bank stand zur Hälte in dieser Tür.

Das íst in der Tat ein harter Schlag an den Kopf und ich nehme die Mauerecke unter die Lupe. Auf 1 m Höhe fehlt ein Stein, so das aus der Ecke eine Spitze wird. Jetzt geht mir endlich ein Licht auf und kann mir einen Reim auf eine derartige Verletzung machen. Er ist, als er von der Bank fiel, mit dem Hinterkopf gegen diese Steinspitze gefallen und hat sich auf diese Weise eine stark blutenden Platzwunde zugezogen.

Die anderen Kinder halten Ausschau nach dem Krankenwagen und sehen, wie der Wagen erstmal die Einfahrt verpaßt. Ich laufe zwischen den Kindern in der Halle und den Kindern vor der Halle hin und her. Er hat sich schon beruhigt und weint auch nicht mehr.

"Der Krankenwagen kommt" rufen die Kinder. Endlich, ich bin erleichtert. Die Sanitäter bringen ihn in den Krankenwagen und behandeln die Wunde, so gut es geht. Dann fahren sie mit ihm nach Haus und bringen ihn endlich zu seiner Mutti, nach der im Moment der Angst und Panik so laut geschrien hatte.

Die anderen Kinder stehen leichenblass um mich herum und wir besprechen, was und warum es passiert ist "Wer keine Grenzen akzeptiert und sie deshalb nicht kennt, dem setzt das Leben eine schmerzhafte Grenze"

Doch den Kindern Grenzen zu setzen, das verlangt viel Konsequenz und Ausdauer, und der Kampf um die Grenze ist mitunter zermürbend für die Eltern und leider haben oft die Kinder in diesem Kampf den längeren Atem.

Ich hoffe, Er hat gelernt und wird in Zukunft für mich und andere ansprechbar sein, wenn nicht, dann lauert das Unglück vielleicht schon an der nächsten Ecke...
LaWe

In den Wind geschrieben

hat Tränen aus dem Haus getrieben

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Lange-Weile - 16. Aug, 14:56
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