Montag, 24. Juli 2006

Verlagerte Kraftzentren

Die laute und cholerische Stimme meines Nachbarn ist mir schon seit Jahren vertraut. Dann macht wieder einmal seine leicht körperbehinderte Frau fertig. Obwohl schon im Rentenalter, weiß sie nach seiner Meinung scheinbar noch immer nicht, wo es im Leben lang geht. Und weil er es weiß und sie es immer noch nicht begriffen hat, brüllt er ihr es täglich in Ohr.

Er, ein stattlicher Mann, hätte er sich mit den Jahren nicht in eine Schwabbelmasse verwandelt. In die Jahre gekommen ist aus ihm ein dicker aufgeschwemmter Mann geworden, mit lockerer Turnhose über den weiten Bauch als Hausgarderobe. Die breiten Hosenträger sorgen dafür, dass der Mann nicht plötzlich Ohne dasteht und seine Männlichkeit vor aller Welt bloß gestellt wird. Die heißen Tage der letzten Wochen setzen ihm arg zu. Sein Schnaufgeräusch eilt ihm um Meter voraus und sein Erscheinungsbild lässt ihn vor meinen Augen als bedauernswert erscheinen.

Weite Turnhose mit Hosenträger sprechen Bände – der Mann ist irgendwann und irgendwie aus dem Leim gegangen und das betrifft nicht nur den Körper.

Manchmal frage ich, warum gehen Menschen so aus dem Leim oder anders gefragt, warum lassen sie es zu, dass sie aus dem Leim gehen und mit den Jahren energielos werden?
Und wie versorgen sich diese Menschen die Energie, die sie zum täglichen Leben brauchen?

Bei meinem Nachbarn höre ich es morgens durch die Wände. Er lädt wieder er seinen Akku für den Tagesbedarf auf. Mit morgendlichem Gebrüll macht er seine Frau fertig und sie verbal nieder. Sie bleibt ihm nichts schuldig und nach einer ebenso lauten Gegenrede ist für den Rest des Tages durch die Wände nur noch Schweigen zu hören. Seine Frau, so glaubt man, ist in einer bedauerwerten Lebenslage

Wer laut brüllt, macht nicht nur die Leute nieder, sondern bringt auch seinen abgeschlafften Tonus wieder auf Trab. Das hebt das Selbstwertgefühl und kurbelt den Motor für den Tagesbedarf wieder an.

Verlagerte Kraftzentren, die in einer Partnerschaft gut funktionieren. Auch auf diese Weise funktioniert das Geben und Nehmen prächtig, solange keiner der beiden aussteigt. Aber ein Ausstieg gelingt selten und nur mit dem Bewusstsein, dass es sein Energiezentrum nach außen verlagert hat und er sich während der Veränderung vorübergehend ohne Energie und kraftlos fühlt.

Mir gegenüber zeigen sich beide von ihrer besten Seite. Sie sind nett und immer freundlich und er? Er versprüht seinen Charme, so gut er kann. Mein freundlicher Blick gibt ihm die positive Rückmeldung.
LaWe

Mittwoch, 19. Juli 2006

Verlorenes Land

Das Gefühl von Schwerelosigkeit und Trägheit hält mich in einer scheinbar ausweglosen Rotation gefangen. Ich drehe mich zurzeit im Kreis, ohne mich von der Stelle zu bewegen. Alles war schon einmal da – gesehen, geschmeckt, gegessen, gerochen, erlebt. Der Kreis der Wiederholung ist oberflächlich und scheint unendlich – unendlich langweilig – unendlich leer – unendlich hartnäckig.

Nur in weiter Ferne sehe ich mein kleines Land, dass ich mir vor Jahren eroberte. Mit der Routine, die das alltägliche Überleben sichert, entglitt es fast aus meinem Besitz und meiner Sicht. Nur klein und mickrig liegt es jetzt als Leuchtpunkt in einem großen Abstand vor mir, den ich mit neu geschaffenen Freiräumen zurück erobern kann, Freiräume, die ich mir in einem gesunden Maß und mit einer gesunden Portion Egoismus selber schaffe.

Die Freiräume sind wie kleine Tunnelgänge, die zum verlorenen Land des eigenen Daseins zurückführen können. Sie sind nicht leicht zu finden und schwer zu erhalten. Irgendetwas ist immer und so fällt der grad geschaffene kleine Freiraum wie ein ungestützter Tunnel in sich zusammen und die Tage gleiten wie schwebende Ballons vorbei, die scheinbar jemand anders als ich in der Hand hält. Nach Ablauf des Tages schweben sie schwerelos davon und verschwinden im vergänglichen Zeitkanal auf Nimmer Wiedersehen. Es ist selten dass eine Erinnerung einen dieser Tage noch einmal erscheinen lässt, zu routiniert und wiederholbar war der Ablauf. Ein Tag gleicht dem anderen und es gibt kaum tief greifende Unterscheidungsmerkmale, wie heiße Glücksgefühle oder kühle Schreckmomente.

Die Tiefe der Erlebnisfähigkeit flacht ab und verkümmert zu einer kleinen Pfütze, die kaum noch bis zu den Knöcheln reicht. Sie erreicht weder Magen noch Herz oder Kopf, sie umspült nur schwach die Füße, die nicht einmal Temperaturunterschiede spüren lässt.

Das Land – das individuelle Dasein – es lässt sich durch nichts ersetzen. Es ist die tragende Säule, die auch bei Erschütterungen nicht ins bröseln oder schwanken gerät. Kraftvoll hält sie mein Dasein zusammen und schützt es vor jedem Beben der Alltäglichkeit. Es ist eine bebenfreie Zone und lässt die erschütternde Enge der täglichen Wirtschaft nicht in meine Nähe. Es gibt mir den Freiraum, den ich für das Leben brauche und es gibt mir die Kraft und Stärke, die mich vor Aufgabe und Rückzug schützt.
LaWe

Montag, 3. Juli 2006

Renovierung

renovierer-017
Kein Stein steht mehr auf dem anderen
renovierer-007
Erholungspause für den Maler
wohnung-135ab
danach
wohnung-137a
mein BlogPlatz
LaWe

Mittwoch, 28. Juni 2006

Selbstbetrachtung

Bei Hannibal
gibt es immer etwas zum schnöckern.
Heut ging ich über das Schöckern hinaus und fogte ich seiner Spur und fand mich vor einem Spiegel der Selbstbetrachtung wieder.

Ich hoffte auf ein Selbstgefälliges Bild. Mit Hilfe meiner Handschrift ergab sich von mir folgendes BIld :
Irene ist selbstbewusst und bereit,
ihre Stärken auch anderen zu zeigen.
Sie ist locker und großzügig.

Irene ist von sich überzeugt und hat eine eigene Meinung.
Sie lässt sich von anderen nicht so leicht beeinflussen,
auch nicht von einem "Das gehört sich aber so."

Sie ist sinnlich, warmherzig, gemütlich und phantasievoll.
Im Großen und Ganzen wirkt sie gelassen bis uninteressiert,
wenn sie aber von einer Sache überzeugt ist, überrascht sie
ihre Umwelt durch ihr überschwängliches und begeisterungsfähiges Auftreten.

Sie ist lebhaft und kontaktfreudig.
Mit viel Verständnis für die Belange anderer.

Sie versucht, die eigene Meinung durchzusetzen.
Wenn sie etwas besser weiß als andere, muss sie es ihnen auch unbedingt mitteilen.

Sie ist ein sehr humorvoller Mensch, bemüht sich, mit diesem Humor niemanden zu verletzen.

Sie hält nichts von übertriebener Toleranz. Ihre Antworten fallen schon mal etwas heftiger aus.

Irene ist insofern bescheiden und wenig aufdringlich,
als dass sie es nicht nötig hat, die Umwelt bei jeder Gelegenheit
auf die eigenen Stärken aufmerksam zu machen.
LaWe

Dienstag, 20. Juni 2006

Kunststücke

sonne-008
Vom Chrash zur Kunst
sonne-009
Von der Freundin auf´s Brett
sonne-011
Von der Schule zum Spielplatz für coole Jungs
LaWe

Montag, 19. Juni 2006

Rotgesichter

Täglich in einen Blog eintragen, wie es mir geht, ist nicht so mein Ding. Und wenn ich es tue, dann eher verschlüsselt und in eine schöne Geschichte gepackt. Das ist für mich überhaupt der Genuß am Schreiben - aus den Alltagsbegebenheiten einen kleine Geschichte zu machen.

Und auch was ich so auf der Straße erlebe, bringt mich zum schmunzeln.

So auch am Freitag - am späten Nachmittag.

Alle sind auf dem Weg nach Haus - das Wochenende ist schon in greifbarer Nähe. Die letzten Einkäufe und der Feierabend kann komme.

Ich stürme ebenso schnell einen SuperMarkt und muß mich an ein paar Biertrinker vorbei schlängeln. Die Tage waren heiß und die Gesellschaft unter Biertrinker ist sicher angenehmer, als bei Muttern zu Haus, die dabei nur ein langes Gesicht zieht. Die roten Biergesichter sind vertieft in ihren Gesprächen und halten sich an ihren Flaschen fest.

Nach meiner verstohlenen Musterung der Rotgesichter ziehe ich im Supermarkt ohne Einkaufszettel meine Bahnen. Wohlbedacht, nichts zu vergessen - schwebe ich an Regalen vorbei die nicht auf meinem geistigen Einkaufszettel stehen. Dann finde ich mich schon an der Warteschlange wieder.

Die Zeit vertreibe ich mir mit - gucken was vor mir los ist.

Vor mir steht ein großer Mann und vor seinen Füßen eine Bierkiste. Neben ihm ein Rotgesicht, der nur in die Augen des Großen schaut. Zustimmend folgt er wortlos dem, was der Große Ihm lautstark erzählt "Das was sie mir angetan hat, zahle ich ihr doppelt und dreifach zurück" seine Stimme klingt bedrohlich laut, ich kann mich seinem Wortlaut nicht entziehen.

"Unser Kind krieige ich" sagt er ebenso laut und schiebt die Bierkiste mit der aufrückenden Schlange vor sich her. Das kleine Rotgesicht hat eine Nase wie ein Boxer, der Zeit seines Lebens nur Schläge eingesteckt hat. Er stimmt wieder zu "Recht so" und würdigt der Kiste Bier kein Blick, denn der ist noch an den Großen mächtigen Mann geheftet.

Nach dem Bezahlen kommen die beiden nicht weit. Sie stellen sich vor dem Supermarkt, mit der Kiste Bier zu ihren Füßen sprechen sie weiter über ihren Gott in ihre Welt.

Ich ziehe auch Leine und trage meinen Einkauf nach Haus und bin heil froh, dass kein Rotgesicht auf mich wartet..
LaWe

Sonntag, 18. Juni 2006

Cherchent la femme - suchet die Frau

Freitag abend "Endlich Feierabend und Ruhe im Schiff, meine Ruhe in der Wohnung in Aussicht". Das ist ein Satz, der schon vor meinem Eintreffen zu Hause ein sanftes Ruhekissen unter meinem Hintern ausbreitet.

Die Woche hinter mir - das Wcohenende vor mir.

Was kann schöner sein. Das ist wie ein Geschenk, worauf man sich schon montags beim Aufstehen freuen kann. Beschwingt gehe ich nach Haus und freue mich auf mein Geschenk.

Beim Betreten meiner Wohnung erfaßt meine BLick das Zimmer meines Sohnes. Es liegt genau gegenüber und damit mich das Chaos in seinem Zimmer nicht sofort meine Laune verdirbt, halte ich es geschlossen. Was ich nicht sehe, kann mich nicht aufregen. Aber heut steht die Tür weit auf und statt Chaos sehe ich eine klare Struktur. Sogar zwei Betten sind schick gemacht. Ungewohnt der aufgeräumte Anblick, sogar den Fußboden kann ich wieder sehen. Der ist gewöhnlich übersäht mit den Klamotten und was es sonst noch so im Leben eines 16-jährigen gibt. Es muß alles in greifbare Nähe der Bettkante bleiben. Heut ist alles vom Boden verschwunden, doch dafür liegt ein unsortierter Wäscheturm im Bad vor der Waschmaschine.

Im Wohnzimmer - mein Sohn liegt erschöpft auf der Chouch. In der Küche steht vorbereitetes Essen - Essen? Was schreibe ich - ein Menü. Auf dem Balkon eine gedeckte Tafel - alles in weiß mit Kerze und Blumen. Ja sogar die weißen Stühle aus der Küche haben die schäbigen Balkonstühle verdrängt.

Ich bin erschöpft, von der Hitze der Woche, von den Kindern in der Sporthalle und ich habe Hunger - jeden Menge Hunger. Und jetzt diese außergewöhnliche Begrüßung. Besser kann eine Mutter von ihrem Sohn auf ein erholsames Wochenende nicht eingestimmt werden.

"Du mußt dich unsichtbar machen. Geh ins Kino oder in die Diskothek - ich brauch die Wonung" mein Sohn ist wieder wach und begrüßt mich mit einer klaren Order. Mir fallen die Schuppen von den Augen - er wartet eine Freundin. Das ist die, bei dem ihm die Sprache ab und zu mal weg bleibt. Das ist die, bei der nach Worten ringt, wenn er etwas erzählen will.

Ins Kino? Oh - darauf hab ich kein Bock. In die Disko? Heut ? Ich bin allein und müde - nee. darauf hab ich noch weniger Bock. Außerdem hatte ich mich um 22 Uhr zu einem Chat verabredet.

"Mir ist egal was du machst - Hauptsache du bist unsichtbar. Um neun ist sie da" Ich schaue auf die Uhr - es ist grade 20 Uhr. Ich hab Hunger - großen Hunger. Der PC für den Chat steht im Wohnzimmer, an dem der Balkon hängt.

Mit der Kraft und Energie, die ich am diesem Abend noch habe, schleppe ich alles was ich brauche um online zu sein ins Schlafzimmer. So ein Laptop hätte in solchen Fällen seine Vorzüge. Aber ich habe keinen Laptop, sondern eine schwere Kiste.

"Du mußt dich beeilen - sie hat angerufen. Sie kommt eine Stunde eher" treibt mein Sohn mich an. Ich habe Hunger -mir knurrt der Magen. Auf einem Tabeltt stelle ich wahllos etwas zusammen, was ich mit in ein Exil als Nahrung mitnehmen will - Buttermilch - Brot und koche mir nebenei eine Kanne Tee. Die trage ich schon mal ins Schlafzimmer, da klinglet es.

"Mach dich unsichtbar" kurze Anweisung, mein Sohn ist aufgeregt und schwappt bald über. Das Essen steht noch nicht auf dem Tisch und ich ziehe mich mit der Bitte "Bring mir noch das Tablett mit dem Essen" ins Schlafzimmer zurück.

Ich bin schon hinter der Tür, da steht die zarte Mädchenstimme schon auf dem Flur. Sie berichtet etwas und mein Sohn antwortet mit charmanter Stimme, führt die zarte Stimme ab ins Wohnzimmer. Es ist still und ich warte auf mein Tablett.

DIe Tür öffnet sich noch einmal von außen. Mein vorbereitetes Tabeltt wird reingeschoben. "Ich brauche noch Butter, ein Messer und eine Tasse für den Tee" rufe ich meinem Sohn leise nach und dann klappt die Wohnzimmertür - sie ist zu und ich bin draußen - als Wohnunsinhaber und als Mutter - Frauentausch ;-).

Da stehe ich nun - erschöpft von der Woche - mit zerstreuter PC-Technik, einer Kanne frisch gebrühten Tee ohne Tasse, mit trocken Brot, einem Liter Buttermilch und Heißhunger.......
LaWe

In den Wind geschrieben

hat Tränen aus dem Haus getrieben

alles muss raus

Test
Test und das war es auch schon
Lange-Weile - 16. Aug, 14:56
vermüllt bis zum...
Als braver Bürger trenne ich den Müll sorgsam, so wie...
Lange-Weile - 20. Aug, 13:27
Nostalgische Erinnerung
Als ich Federhalter, Feder sowie das kleine Tintenfass...
Lange-Weile - 14. Aug, 14:25
Für alle Sushi Friends
Beeindruckender Film, auf jeden Fall sehenswert. Hat...
sushi-friends - 11. Apr, 14:40
Hallo Lo.
..ja ich denke, er hätte sich gefreut, auch wenn mein...
Lange-Weile - 20. Aug, 08:50

Das Neuste von

Hallo ;-)

meine Randbemerkungen

Achja...
das wusste ich gar nicht. Diese Art feinsinnigen Humor...
abendGLUECK - 5. Mai, 09:48
wie makaber ;-) Bei...
wie makaber ;-) Bei uns wurde es ähnlich, aber anders...
abendGLUECK - 4. Mai, 08:13
Gegenmittel
Hallo Bo., gestern las ich über eine amerikanische...
abendGLUECK - 25. Apr, 11:03

Abendstimmung

Suche

 

Wer bist du?

Online seit 7454 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 16. Aug, 14:56

Albtraum
Alter Schwede
Betrachtung
Experiment
Fragen
Glücksliste
Kurzmitteilung
Musik
Nachklang
Rätsel
Spaß Ecke
Stadtbilder
Stöckchen
Tage im Fluss
Traumzeit
Witzecke
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren