Gegenlicht

heller Mohn in der Abendsonne

karges Wohngebiet am Abend

Wildes Kraut bezaubert



Lange hab ich ihn nicht mehr gesehen. Er - ein Freund meines Sohnes - ist 17 Jahre alt, doch wenn ich vor ihm stehe, wirkt er auf mich, wie ein erwachsener Mann, der die 20 schon überschritten hat und das hat nichts mit seiner Größe zu tun. Bei meinen 1,54 cm überragen mich schon die großen Vierklässler.
Er fiel mir wegen seiner körperlichen Kaft auf, die von den Freunden meines Sohnes weiter keiner hat. Sie schleppten damals ein Sofa, es sollte in´s Zimmer, paßte aber nicht durch die Tür. Deshalb mußte das Ding durch´s Fenster. Wir wohnen im EG und so sollte das Ding doch schnell geritzt sein. Während die anderen Jungs mit weichen Knien und gestöhne sich mit den Möbelstück abquälten, hielt er das schwere DInd später allein auf dem Nacken. Buuahh - dachte ich.
Später erfuhr ist, dass er erst 16 Jahre wäre und seine Mutter schwer erkrankt sei und ein Vater wäre auch nicht da und sein Bruder ist im Knast und er hat auch schon eine paar schwere Schlägerein hinter sind und die werden ihn wohl auch bald in den Knast bringen.
"Seine Mutter hat Bauchspeicheldrüsenkrebs" Nicht nur das Wort ist furchtbar lang, auch die Krankheit ist furchtbar und wenn die jungen Söhne das Leiden der Mutter mitbegleiten, ist es kein Wunder, dass sie in ihrer Ohnmacht über Aggression abreagieren und mit Fäusten durch das Leben schlagen.
Eine Schlägerei folgte der anderen und eine Gerichtsverhandlungen folgte der andere - mit DU DU und Strafandrohung auf Bewährung. Er gab keine Ruhe, wollte auch in den Knast, wo sein Bruder schon war.
War er mal bei uns in der Wohnung, saß vor mir ein artiger Junge mit eine Menge Wut im Bauch.
Vor ein paar Wochen erzählte mir mein Sohn, dass die Mutter seines Freundes verstorben war. "Jetzt ist E. ganz anders, nicht mehr so aggressiv und wüst und er hat eine eigene Wohnung und lebt allein.
Heut war er das erste mal wieder hier und saß bei uns in Arbeitskleidung mit am Tisch zu Mittag. Er arbeitet in der Nähe und hatte Mittagspause. Wie gewohnt ganz artig und ganz lieb und eher mit scheuen Augen sah er mich an. Er tat mir unendlich leid, weil er nun schon mit 17 Jahren sein Leben allein meistern muß. Ich hatte große Mühe, mein Mitgefühl vor ihm zu verbergen, denn ein Leben ohne Eltern stelle ich mir furchtbar leer vor.
"Buah. E. haben sie einen Zahn ausgeschlagen" sagte mein Sohn und promt zeigt E. mir seine Zahnlücke. Doch meine Befürchtungen, dass er sich weiter prügelt, konnte mein Sohn mir später nehmen. "Auf der Hanse Sail hat ihm einer einfach so eine rein gehaun und dabei ist der Zahn rausgeflogen".
Ich drücke dem jungen Mann - der er ja schon ist - meine Daumen und hoffe für ihn, dass er seinen Weg auch ohne seine Eltern finden wird.
19 Jahre Hanse Sail heißt auch 19 Jahre Volksfest am Stadthafen. mit Musik und Tanz und schöngeistigen Getränken.
Und wer schon mal in den Abendstunden sich an am Kai des Stadthafens vorbei an der Menge geschoben hat, weiß, wie nah man am tiefen Wasser des Hafenbeckens ist. Die Kleinen sollte man dann besonders intensiv im Auge haben. Abe für die ist ja gesorgt, ihre Eltern haben zu ihrem Glück wachsames Auge drauf.
Gewundert hab ich mich schon die ganzen Jahre, wenn ich mich auch durch das nächtliche Gedränge am Kai schieben mußte, dass noch nie ein angetrunkener Gast der Hanse Sail ins Wasser gefallen ist. "Sie haben bestimmt alle ihre Schutzengel dabei" dachte ich mir immer, wenn sich wieder meine besorgten Gedanken meldeten.
Ein Gedanke kann den anderen gut vergrängen, doch lösen sie den Hintergrund der Gedanken nicht auf und der real. Ich weiß nicht, wie oft ich schon sturz betrunkene Besucher an Kaikante habe torkeln sehen und mit Bangen hingeschaut. Ich bin Nichtschwimmer und kann niemanden aus dem Wassser ziehen, wenn das unsäglikche passieren sollte, nicht mal mich selbst. Aus dem Grunde stehe ich oft doppelt unter Strom, wenn ich wieder mal eine torkelnde Gestalt am Kai laufen sehe.
Leider hat in diesem Jahr ein junger Mann seinen Schutzengel zu Haus gelassen. Die Nachrichten berichten seit heut früh davon, dass <ein 44 JähirgerMann in der Dunkelheit ins Wasser gefallen sein. Man wollte ihn noch Retten, doch er verschwand in der Dunkelheit des Wassers. Ein Helfer mit Taucherbrille konnte den jungen Mann auch nicht mehr ausfindig machen. Heut hat sich bestätigt, dass der Mann schwer alkohilisiert in Wasser gefallen war.

Das ist leider tragisch und trübt den Spaß an dem Volksfest ein.
Diese Jahr sollen 1 Milllionen die Sail - die nur 4 Tage dauert - besucht haben.
Als ich gestern mit der Straßenbahn durch die Stadt fuhr, flielen mir die zahlreichen angetrunkenen Männer auf. Am frühen Abend ist das ungewöhlich, doch konnte ich mir erst gar keinen Reim darauf machen. Doch dann dämmerte es mir und der Einfall fiel mir wie von selbst in den Schoß - es ist ja wieder Hanse Sail in Rostock.
Für die meisten ist die Sail eine Attraktion der zahlreichen vorbeifahrenden Segler - für andere kann die Sail auch zu Trinkerfestspielen ausarten und der Eintrunk der angetrunkenen Männer soll an diesem Tag nicht der letzte für mich gewesen sein.
Es war schon lange Mitternacht vorbei, als mein Sohnemann mich fragte, ob ich den Betrunkenen unter dem Fenster gehört hätte. Wegen der Hitze halte ich meine Fenster z.Zt. geschlossen und deshalb war es in meinem Raum still und ohne Geräuschkulisse von außen.
"Nee, ich hab nichts gehört. Wer war das denn?"
"Das war der Herr XXX - der hat wohl seine Schlüssel vergessen und kommt nicht rein" Herr XXX ist ein junger Mann mit einem Pitbull und wohnt schon seit ein paar Jahren in unserem Haus. Er ist immer nett und macht einen bescheidenen Eindruck auf mich. Ich weiß jedoch nicht, ob er Lebenspartnerin hat, die ihm vielleicht die Tür öffnete.
"Und wo ist er jetzt?" frag ich bei Sohnemann nach.
"Na, noch vor der Tür" antwortet er und scheint sich mit dem Zustand des jungen Mannes irgendwie verbunden zu fühlen. Ich schau aus dem Fenster und seh quer über den Eingangweg eine menschliche reglose Gestalt am Boden liegen.
"Der schläft seinen Rausch aus und steht dann wieder auf" sagt Sohnemann nüchtern. Naja - so nüchtern sehe ich es auch, doch kann ich jetzt nicht zu Bett gehen und den jungen Mann einfach auf dem Weg liegen lassen. Was soll ich nur jetzt machen?
Tausend Fragezeichen in meinem Kopf. "Laß ihn doch liegen. Der steht wieder auf, wenn er wieder nüchtern ist" rät Sohnemann mir. Aber ich kann ihn nicht einfach liegen lassen, aber abschleppen kann ich ihn auch nicht.
Jetzt ist guter Rat teuer - oder auch nicht?
Ich nehm das Telefon und rufe die 112 an. Immer wieder das selbe, wenn es um Rettungsmaßnahmen geht, dann weiß ich nicht sicher, welche Nummer die richtige ist und mit dieser Nummer lande ich bei Rettungsnotdienst.
"Wenn der Mann betrunken ist - und davon haben wir während der Sail sehr vleie - dann ist er bei uns nicht richtig. Wir müssen unsere Einsatzfähigkeit für lebensbedrohliche Fälle frei halten." Wo der Mann Recht hat, da hat er recht. "Was soll ich denn machen?" frage ich ratlos nach. "Ich kann ihn doch nicht einfach so liegen lassen" erkläre ich dem Mann vom Rettungsdienst meine verzwickte Situation. "Oder soll ich die Polizei anrufen?" schlage ich vor.
"Ja, machen sie das. Gehen sie zu dem jungen Mann und prüfen sie, ober er noch ansprechbar ist. Wenn nicht, dann bringen die von der Polizei in eine Ausnüchterungszelle."
Es ist schon 2 Uhr vorbei, als ich vor die Tür gehen und zu den reglosen Mann auf den Gehweg gehe. Er liegt auf der Seite, jedoch mit dem Gesicht nach oben und schnarcht, was das Zeug hält. "Herr XXXX ...hören sie mich?" frag ich zaghaft nach. Aber Herr XXXX schnarcht weiter - laut und ohne Ende. Ich werd lauter, er jedoch bleibt davon unbeeindruckt. Meinen Gedanken, ihn in meine Wohnung zu schleppen und ihm auf den Boden schlafen zu lassen, verwerfe ich. Den kriege ich niemals in Leben hoch.
Doch ihn so einfach liegen lassen?
Das kann ich auch nicht und ich wähle den Polizeiruf 110 und bekommen auch gleich jemand an die Strippe. Ohne wenn und aber lassen sie sich die Adresse und meinen Namen geben. "Die Streife ist gleich da" .
Ich bin erleichtert und warte In der Wohnung auf die Polizei, die wenig später auch schon vorfährt. Ich gehe zu ihnen und erkläre ihnen die Situation. Die beiden Polizisten - sie tragen schnicke Sonneruniformen - nehmen den jungen Mann unter die Lupe und suchen nach seinen Papieren. Es bestätigt sich, dass der junge Mann Bewohner unseres Hauses ist und sie beginnen mit dem Weckszenario. Nach mehrmaligen Anrunfen mit Namen und rütteln kommt der junge Mann zu sich, will sich aber wieder gleich auf die Seite drehen und weiter schnarchen.
"Herr XXXX - aufstehen!!! Sie können hier nicht schlafen, müssen in ihr Bett, damit sie morgen wieder fit für die Hanse Sail sind" und damit hat der eine Polizist einen wichtigen Schlüsselsatz genannt und ein paar Augenblicke weiter steht er auf seinen wankenden Beinen und schwankt zur Eingangstür.
Doch er kommt nicht von der Stelle und ich bitte die beiden Männer von der Polizei, dass sie ihn in seine Wohnung begleiten, damit er sein nächstes Nickerchen im Rausch nicht auf der Treppe im Haus absolviert, denn immerhin muß er noch 3 Stockwerke nach oben.
Die Polizei - dein Freund und Helfer - begleiten den jungen Mann in die Wohnung und ich kann mich beruhigt zu Bett legen - es ist bereits schon 3 Uhr früh.
Später fiel mir ein, dass ich vor Jahren schon mal persönlich einen stillen Zecher abgeschleppt habe.
Per Zufall traf ich auf diese Seite. Sie ist ein Tribut am Michel Jackson, dessen Tod weltweit eine ähnliche emotionale Welle auslöste, wie der Tod von Diana.
Aber wie es aussieht, löst sein Tod auch eine weltweite Tanzwelle aus, denn über die verlinkte Internetseite tanzen seine Fans die Moonwalk-Schritte.
Ich hab mich mitreißen lassen und wollte auch meinen Monnwalk zum Besten geben, damit auch er sich unter die zig-tausend internationaler Tänzer - sogar das Mohrhuhn war dabei - einreiht.
Es sah furchtbar aus.
Meine Elteilkeit !!!!!!
verbietet mir, mich als stacksendes rückwärtslaufenden Huhn im Internet zu verewigen und schon gar nicht auf einer Seite, die Michael Jackson denTribut zollt.
Also sollte ich üben - üben -üben - bis der Arzt kommt, vielleicht klappt es dann auch mit dem Moonwalk nach dieser Vorlage.