aus der Traum

Wie tief muss ich im Schlaf gewesen sein, dass ich heut früh beim Aufwachen überlegte, welchen Tag wir heute hätten. Es brauchte ein paar Sekunden, dann kam ich drauf, das heute Sonntag ist. Dazwischen drängt sich ein Traum, der mich auf eine Kurzreise brachte.

Ein Ausflug mit Freunden oder Sportfreunden…ich weiß es nicht mehr. Obwohl wir eine Gruppe waren, ich konnte die Freunde nicht sehen, sie waren wie ich aber da, das spürte ich sicher. Wir waren Richtung Wasser unterwegs, wollten die letzten Sommertage noch am Strand genießen.  Doch wider Erwarten war das Wetter trüb, kalt und neblig.  Die Strandmenschen hatten sich Sandburgen gebaut, kauerten sich wegen des Seenebels tief  in ihnen nieder.  Der Himmel war grau, die Strand sah graublau aus. Von Sommerfrische keine Spur.

Die Strandbesucher hofften wie wir sicher auch auf einen warmen Sommertag im September, doch sie strecken nur ihre blanken nackten Ärsche aus den Burgen raus, mehr nicht. Ihre Ärsche überragten die Schutzwälle. Das ganze sah aus, als würden Arschgesichter über den Wall gucken. Doch die schwarzen Arschritzen teilten ihre Arschgesichter in 2 Hälften. Ich sah wie erstarrt auf die trübe Kulisse mit den nackten Ärschen, die in die Luft ragten “Denen muss ja arschkalt sein” dankte ich mir. Dann wird es mit den sonnigen Tagen am Strand für unsere Gruppe auch trübe aussehen und Arschgesichter wollte ich in meiner Nähe auch nicht haben

Aber wir waren ja noch nicht an unser Reiseziel angekommen.  Eine längerer Fußmarsch lag noch vor uns. Der einzige Weg, um zu unseren Hotel, das man nur noch zu Fuß erreichen konnte,  führte entlang am Strand. Als wir als die Nacktärsche hinter uns gelassen hatten, gingen wir im Entenmarsch den schmalen Strandpfad entlang, der uns zum Hotel bringen sollte.

Wir von Zauberhand gelenkt verschwand die Düsternis der Arschgesichter, die am letzten Strandabschnitt vorherrschte, und wich dem erfrischendes Sommerwetter, das nun vor uns lag. Der Himmel blau, die Welt wieder bunt, so bunt,  wie die kleine  Halbinsel, der wir uns näherten.  Auf den kargen Sand gab es nur wenig grün zu sehen, dafür waren die Zelte so bunt, wie die Bewohner, die sich auf der Insel aufhielten. es waren Indianer. Wie kommt denn das? So ausgedehnt war unser Fußmarsch nun auch wieder nicht, dass wir sogar den Kontinent wechselten und in Amerika landeten. Die Halbinsel ragte weit ins Wasser, betreten konnten wir sich nicht. Eine Glasscheibe trennte uns vom Indianerleben, wir konnten bestenfalls unsrer Nasen an der Scheibe platt drücken. Zahlreiche Pferde bewegten sich frei auf der Insel. Als sie uns sahen stobten sie neugierig auf uns zu und stoppten direkt vor der Scheibe. Wie die Indianer kannten die Pferde die Grenzen ihres Lebensraumes genau.

Ich erinnerte mich, dieses Bild schon mal gesehen zu haben. Achja.. ich sah es auf dem Flyer vom Hotel und klärte meine Freunde gleich auf  “Das Indianerreversat ist eine neue Attraktion des Hotels. Damit wollen sie ihre Gäste auf Abendteuer einstimmen”  Ich war stolz, das ist die erstaunte Gruppe aufklären konnte und damit aus ihren herausragte.

Nach wenigen Minuten standen wir dann auch schon in der Hotelhalle. Das Personal war für uns da, doch ich sah es nicht, so wie ich den Rest der Gruppe immer noch nicht sah. Weil wir mit unseren sandigen Füßen die Hotelzimmer nicht betreten durften, mussten alle Neuankömmlinge durch eine Duschzone geschleust werden. Nach dem langen Fußmarsch war das sicher eine Wohltat für Haut und Haar. Die milde Wärme des Wassers war eben so angenehm wie der milder Wasserstrahl der Dusche, der meine Haut mit einem Feuchtigkeitsfilm überzog.

Für ein paar Minuten genoss ich den wohltemperierten Raum der Duschkabine, dann bezog ich mein Hotelzimmer.  Meine Mitbewohnerin eben so. Obwohl sie neben mir ging, ich sah sie nicht. Sie war da und doch nicht da..oder war sie doch da und ich sah sie nicht, weil sie sich in einem toten Winkel aufhielt. Aber egal. Im Hotelzimmer richteten wir uns ein, jeder bezog seinen Schrank und sein Bett wie eine neue Wohnung, eine Sitzprobe auf dem Bett inbegriffen. Sie nahm das weiche Bett, ich bevorzugte das harte. Wir setzen uns, ich war zufrieden, sie auch. Ich sah aber nur die Delle auf der Matratze, die sie beim sitzen erzeugte, sie aber sah ich nicht.

Ich fand es mysteriös, aber im Traum machte ich mir weiter keine Gedanken mehr darüber. Wie oft hat man mit Menschen im Leben zu tun, die man gar nicht sah. Vielleicht lag es an der eigenen Oberflächlichkeit, vielleicht lag es an der Durchsichtigkeit der Person, die sich extrem zurück nahm, weil sie sich im wahrsten Sinne des Wortes verdünnisiert hat. Als ich das Zimmer verlies, war die Delle auf ihrem Bett immer noch da. Das war die letzte Spur, die ich von ihr sah. Was danach geschah, erzählte mir mein Traum nicht mehr.

Erst als ich wieder zu Haus war, setzte die Erzählung meines Traumes wieder ein und lies das Telefon klingeln. Auf der anderen Seite war meine Mitbewohnerin, die immer noch im Hotelzimmer fest hing. Sie kampiert seid meine Abreise immer noch im selben Zimmer und niemand nahm sie wahr. Und das, obwohl die Gäste in den Hotelzimmer schon mehrmals wechselten. Sie blieb in dem Zimmer kleben, konnte es aber nicht mehr verlassen. Sie entscheid sich vor Jahren wegen zu vieler Arschgesichter in ihrem Umfeld für ihre eigene Unsichtbarkeit und hing nun  auch in ihrem Leben fest, hatte nicht mal mehr ein zu Hause, so wie ich.

Sie tat mir leid, aber helfen konnte ich ihr nicht. Statt dessen erwachte ich aus meinem Traum und überlegte, welcher Tag heute ist. Achja..heute ist Sonntag

La We

 

bonanzaMARGOT - 7. Sep, 17:40

arschgesichter sind wir, glaube ich, in gewisser weise alle.
wieder mal ein schön irrsinniger traum.

dir einen schönen restsonntag!

Lange-Weile - 7. Sep, 17:52

unkenntlich

Hallo Bo.,
danke das wünsche ich dir auch ;-)

ich fand es irrsinnig komisch, wie mein Unterbewusstsein Arschgesichter bildhaft machte. Erst später war mir klar, was das ich sie im Traum gesehen habe, die Arschgesichter. Sie hoben sich nur deshalb hervor, weil die aus den Sandburgen herausragten. Aber das Bild zeigte auch, dass die Arschgesichter sich zu verschanzen wissen, damit man nicht erkennt, wer sich wirklich sein ;-))

LG La We
Iggy - 13. Sep, 16:52

träume sind...

weiß auch nicht, irre im besten fall - oder unheimlich. trotzdem bin ich froh über jeden traum, an den ich mich erinnern kann, sei er auch noch so schrecklich. in deinem traum fand ich die arschgesichter zuerst lustig und die verdünnisierte mitbewohnerin erst traurig. Sie erinnert mich ein bisschen an mich selber. kleben bleiben ist meine berufung. ;-)
heute ist übrigens samstag?

Lange-Weile - 14. Sep, 13:10

Symbole

Hallo Iggy,,

In den Träumen kommuniziert das Unterbewusstsein, dass nur in Bildern sprechen kann. Falls du schon Erfahrungen in Mediation hast, hast du vielleicht Bilder deines Unterbewusstsein sehen dürfen. Die Klarheit ihrer Bilder ist anders, als bei einem Traum, der einem wüst und und chaotisch in Erinnerung bleibt, wenn er überhaupt im Erinnerung bleibt.

Nachdem ich den Traum niederschrieb, sah ich erst die zahlreichen Symbole in ihm. Eins davon hast kritisch mit dir verglichen. In der tat, bleiben Menschen in einen Lebensabschnitt hängen. Obwohl sie bereits erwachsen sind, sind sie noch nicht gereift...wenn ich den Begriff nehmen darf.
Oder schau dir die vielen durchsichtigen Gesichter der Menschen an, die man so häufig auf den Straße sieht.

Nachdem der niedergeschriebene Teil mit den Arschgesichtern bei mir nachwirkte, stelle ich mir die Frage, was war zuerst da. Die düstere Welt oder die Arschgesichter. Verwandeln die Arschgesichter die Welt in eine kalte Düsterheit und verwandeln die Menschen sich in Arschgesichter, weil ihre Welt düster und kalt geworden ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass das letztere der Fall ist.

Der Abschnitt mit der Glasscheibe (Symbol für TV uns Smatphone) und dem Indianerparadies hatte auch was symbolisches für mich. Obwohl wir glauben, dass wir im Paradies leben, findet unser Leben hinter Glas statt. Wir haben uns entfernt von der urigen Natur. Die Indianer sind ein gutes Beispiel dafür. Nachdem man ihnen die Boden stahl, auf dem sie lebten, sie zivilisiert wurden, gingen sie unter. Wahrscheinlich berauben wir uns selbst den Boden, auf dem wir leben.

Nicht der Traum ist real, doch die Symbole, die wir in ihm finden, spiegeln unser aktuelles Leben wieder...wir sehen es nur nicht so, wie unser Unterbewusstsein es regisriert.

Achja..ich heute Sonntag ? Ja..ich glaube, es ist Sonntag, oder doch nicht ? ;-) Ich fühle mich so, als wäre heute Samstag ;-))

LG La We

Iggy - 15. Sep, 16:39

verstehe ich, zumindest ein bisschen, doch zu ändern ist es nicht mehr. die natur ist weg, die götter sind auch weg, wir sind nur noch alleine mit uns selbst.
na ja, nicht alle götter, aber das sind nicht meine. ;-)

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