sprachlos, noch immer

Man erzählte sich, die Stadt sei von Zigeunern überschwemmt. Sie klauten wie die Raben und scheißen auf den Rasen. Zigeuner…wie abfällig sie dieses Wort in den Mund nahmen. Ich kann mir über Zigeuner kein Urteil erlauben.Weiß nur, dass das ein Wandervolk ohne eigenes Land ist. Niemand will sie haben, weil sie sich den gesellschaftlichen Regel nicht unterordnen können oder wollen.
Mehr weiß ich über diese Menschen nicht. Vielleicht kommt als 2 Idee noch die Oper Carmen in den Sinn, die die Leidenschaft dieses Volkes beschreibt.
Täglich sah ich mehr von den Zigeunern..oder Romas, wie sie auch bezeichnet werden. Sie strömten über die Stadt, die bis dato nur die roten Fahnen des Kommunismus kannten. Es war auch komisch für mich, das plötzlich so viele fremde Menschen die Stadt besiedelten. Aber das waren für mich die Zeichen der neuen Zeit. Die Grenzen waren offen…die Ossis fielen über Westdeutschland her und die Romas über Ostdeutschland. Wenn Ventile sich zu Druckkammern öffnen, dann gleicht sich alles mit Hochdruck aus.
Eigentlich wollte ich in Lichtenhagen aussteigen und mir selber ein Bild machen. Doch schon aus der S-Bahn konnte man die Menschenmassen auf den Rasen sehen. Es waren die Romas –Männer, Frauen und Kinder - , die sich flächendenkend im Viertel verteilten.
“Wie kann man ein Wandervolk in solch einen Betonklotz einpferchen? “ und nicht nur das. Mit bloßem Auge konnte man die Überbelegung des Blocks erkennen. Der mit der Sonnenblume gezierte Giebel sollte denn Neuankömmlingen schönes versprechen, doch für sie wurde es eine Hölle. Von verstopften Toiletten war die Rede.
Eine diffuse Krisensituation, die die Ratten auf den Plan rief. Egal ob aus der Stadt und extra Angereiste. Die Geist entscheidet, wozu der Mensch gehört und es dauerte ja auch nicht mehr lange, da übernahmen sie bösen Geister das Kommando.
“Das kann nicht gut gehen” ging mir durch den Kopf und ich fuhr weiter, nach Warnemünde, um gesunde Luft atmen zu können. Und es ging nicht gut. Abends sah ich im TV, welch schauriges Drama in Lichtenhagen sich abspielte. Meine Stadt Rostock hätte ich lieber in einem anderen Licht gesehen, statt dessen sah ich das Licht des Feuers aus den Fenstern des Sonnenblumenhauses züngeln. Zu meinem Entsetzen Applaus der Anwohner.
Ich konnte nicht glauben, was ich sah und wieder und wieder in den Nachrichten hörte. Meine Stadt im Wahn des Ausländerhasses. Mein Herz schmerzt noch heut vor Scham. Ich weiß, die Situation war für alle unerträglich, aber einen auf diese Weise Konflikt lösen? Und das nach einer friedlichen Revolution, die ein kleines Volk, wie wir noch vor der Wende waren?
LaWe